top of page
  • AutorenbildChristine Waitz

Athletenbericht: Konrad Puk - Wieder so ein unvergesslicher Tag

Aktualisiert: 9. Aug. 2023

Beim Challenge Roth 2023 standen auch in diesem Jahr wieder 3,8 km Schwimmen im Main-Donau-Kanal, 180 km Radfahren auf hügeligen mittelfränkischen Straßen und 42 km Laufen auf den Schotterwegen entlang des Main-Donau-Kanals und auf festem, teilweise gepflastertem Untergrund auf dem Programm – eine Triathlon-Langdistanz. Gut 3.500 Einzel- und 800 Staffelstarter probierten mit Unterstützung von 7.500 Helfer*innen ins Ziel zu kommen. Es war ein grandioses und hervorragend organisiertes Fest, das zeigt, wie leidenschaftlich im Frankenland Triathlon gelebt wird. Rund 250 Einzelstarter haben das Ziel leider nicht erreicht. Der Holzkirchner Konrad Puk erreichte mit fast 75 Jahren als zweitältester Teilnehmer nach 15:18:27 Stunden die Ziellinie - glücklich, gesund und zufrieden.


"Ich habe jeden Kilometer genossen und wurde beim Zieleinlauf im vollbesetzten Stadion (Ca. 15000 Plätze) frenetisch empfangen. Der Weltmeister Jan Frodeno hing mir die Finisher-Medaille um und bekundete seinen `größten Respekt`.", beginnt er seinen Rennbericht. Mehr lest Ihr im Folgenden.

Triathlet Konrad Puk hält seinen Challenge Roth Pokal im Arm
Konrad Puk mit seinem Siegerpokal in Roth

Dabei war der Tag war für mich vor allem mental sehr anstrengend. Ich werde einfach immer vergesslicher und für einen Triathlon sind sehr viele Dinge zu koordinieren. Ich hatte meine Höhen und Tiefen, davor, im Wettbewerb und danach.

Sehr viel Glück hatte ich mit der Wahl meiner Trainerin Christine Waitz, die mich fünf Monate sehr gut vorbereitet, und im Wettbewerb unterstützt hat und deren Gastfreundschaft ich genießen durfte.


Mein Renntag begann nach rund zwei Stunden guten Schlaf um 2 Uhr morgens. Nach dem Frühstück ging es um vier Uhr mit einem Rad zum Shuttlebus, der uns Sportler um 4:20 Uhr von Roth zum Schwimmstart nach Hilpoltstein brachte. Einen ersten Aufreger gab es für mich bereits zu früher Stunde: ich hatte alle meine Schlüssel vergessen, sodass ich mein schönes, altes Rennrad unverschlossen am Parkplatz abstellen musste. Im ehrlichen und familiären Roth stand mein Rad noch am folgenden Tag an seinem Platz. Roth sei Dank!


Gut präpariert ins Rennen

Eine leere Trinkflasche auf der Fahrt sorgte für eine durstige Ankunft in der Wechselzone. Um fünf Uhr morgens herrschte dort eine tolle, friedliche Stimmung. Jeder half jedem: Der Radbeutel musste an die richtige Stelle gebracht werden und den richtigen Inhalt haben. Zum Schwimmen hatte ich dieses Mal eine hervorragend präparierte Brille – vielen Dank Christine. So hatte ich zum ersten Mal beim Schwimmen in Roth eine sehr gute Sicht und konnte mich gut an den Bojen im Kanal orientieren, musste nicht mehr parallel zum Ufer schwimmen, wo fast alle schwimmen. So konnte ich doch einige Startwellen vermeiden und hatte relativ wenig Körperkontakt mit meinen Überholern. Trotzdem war ich heil froh, als ich mit nur kleineren Blessuren wieder festen Boden unter meinen Füßen, und nicht zu viel Kanalwasser verkostet hatte. Mit meiner Zeit knapp unter 2 h war ich sehr zufrieden und besser als im letzten Jahr.


Irgendwas hakt immer

Im Wechselzelt ging der Neoprenanzug nicht so schnell wie sonst vom Körper. Irgendwas hakt immer. Auch gingen die Socken nicht wie gewohnt über die nassen Füße. Ein weiteres Problem machte mein Radhelm. Das Visier wollte nicht halten. Mein Winken sah ein aufmerksamer Helfer, der sofort Panzertape besorgte und damit das Visier am Helm befestigte. Das hat natürlich alles etwas gedauert, d.h. ich war fast 11 min in der Wechselzone 1.




Beim Radfahren habe ich mich nach Plan versorgt, mein Gel aus der Flasche am Rad und Wasser zur Kühlung des Körpers und zum Trinken von den Verpflegungsstationen. Eine Schrecksekunde hatte ich zu überstehen, als meine gereichte Trinkflasche nicht in den Flaschenhalter rutschen wollte und ich nur noch 10 cm Asphalt zur Seite von meinem Vorderrad hatte. Da lag ich fast schon im Straßengraben! Einen Sturz konnte ich gerade noch vermeiden. Relativ früh flogen mit einem Wahnsinnstempo die Spitzenreiter der Profis an mir vorbei. Mein Tempo hat das nicht verändert! Ab und zu musste ich meine Aeroposition aufgeben, da ich zu wenig Platz unter meinem festgeklebten Visier zum Trinken hatte. Die Versorgung an den Stationen funktionierte hingegen wie immer einwandfrei. Die Helfer waren sehr gut geschult und ich habe keine einzige Flasche verpasst. Richtig anstrengend waren die Berge, Kalvarienberg in Greding, Kränzleinsberg, Solarer Berg, wo mich immer ein fantastisches Publikum mit viel Begeisterung nach oben „gebrüllt“ hat. Für mich war das Gänsehaut pur.


Auf und Ab beim Marathon

Nach gut 7h hatte ich die 180 km mit den gut 1300 Höhenmeter auf dem Rad genossen. In der Wechselzone 2 wurde ich freundlich und hilfsbereit empfangen, mir wurde das Rad abgenommen und Sonnencreme aufgetragen. Dann ging es auf die Marathonstrecke.


Gleich am Anfang kam ich ganz gut ins Laufen, konnte auch meine Frau kurz in die Arme nehmen. Etwas später hat mich meine Trainerin Christine unterstützt, hat sich nach meinem Zustand erkundigt und ermuntert, so locker weiterzulaufen. Da war noch alles OK. Bei der nächsten Verpflegungsstation habe ich mir dann überall kleine Eisbrocken unter das Trikot und auf den Kopf kippen lassen. Es war sehr heiß und das kühlte gut ab. Doch nach kurzer Zeit war es mir, als ob mir jemand den Stecker gezogen hätte. Ich konnte nur noch gehen, hatte kurz vor der „Lände“ ca. bei km 4 kaum noch Energie. Mein Ziel, den Triathlon vernünftig und rechtzeitig zu beenden, sah ich schwinden. Da überholte ich Dieter beim Gehen. Dieter hat alle Triathlons in Roth mitgemacht und ich kenne ihn seit vielen Jahren. Auch er hatte schon die Gangart gewechselt und so haben wir uns bis zur nächsten Verpflegungsstation unterhalten und gegenseitig ermuntert. Dort habe ich anständig gefuttert. Die Hühnerbrühe bewirkte Wunder, Melone mit Salz, Energiedrink, Wasser, ich spürte neue Energie. So konnte ich am Kanal wieder einen guten Laufrhythmus finden, traf Harald aus Graz und konnte mich mit ihm beim Laufen sehr nett unterhalten. An jeder Verpflegungsstation habe ich Halt gemacht, mich in Ruhe etwas abgekühlt, viel Wasser getrunken und irgendwas von dem reichhaltigen Angebot gegessen. Die Veranstalter haben das alles mit den vielen freundlichen Helfern hervorragend aufbereitet. Ab und zu gab es auch ein kleines Schwätzchen, um mich bei den Helfern zu bedanken. Das beruhigte meinen Puls und gab mir neue Energie. Nach den ersten 10 km beim Laufen wusste ich, dass ich rechtzeitig ins Ziel kommen werde. Auf der Laufstrecke begegnen sich die Athleten und so kann man sich gegenseitig auch anfeuern. Auch ein Lächeln hilft beiden Seiten weiter und setzt neue Energien frei.




Finisher-Medaille von Jan Frodeno verliehen

Ab Kilometer 25 geht die Strecke weg vom Kanal in die Innenstadt von Roth, wo ein sehr holperiges, mittelalterliches Pflaster auf die Läufer wartet. Da schmerzen die Füße und die Gefahr des Umknickens ist schon gewaltig. Danach geht es über eine Teerstraße nach Büchenbach und wieder zurück. Der Weg steigt entweder an oder es geht hinunter. Hier musste ich manchmal wieder die Gangart wechseln und überholte dabei Reynold aus Kalifornien, den ich seit vielen Jahren aus der Warteschlange von der Anmeldung zum Challenge Roth kenne. Ich ging ein Stück mit ihm, wir unterhielten uns gut und dann trabte ich weiter. Nach der Altstadt von Roth lief ich wieder und genoss die Ovationen in dem tollen Stadion.

Im Ziel hängte mir Jan Frodeno die Finisher-Medaille um und zollte mir Respekt.

Ich war sehr glücklich. Ich habe mal wieder gefinisht, und zusätzlich habe ich meine AK75 gewonnen und war über 40 Minuten schneller als im letzten Jahr. Was für ein Tag für mich! Herzlichen Dank Christine.


Mein Fazit

Ich habe sehr viel Bewunderung und Respekt erfahren, einige Menschen haben mich motiviert und sehr gut unterstützt, ich konnte andere mit meinen Geschichten motivieren. An diesem Tag gab es neben der Freude und dem Spaß auch sehr viel Hilfsbereitschaft und Solidarität für mich. Dafür bedanke ich mich bei allen, die mir das möglich gemacht haben. Am nächsten Tag bei der Siegerehrung hatte ich nur schwere Beine, aber ich war glücklich beim Anstellen für einen neuen Startplatz in Roth im nächsten Jahr.


Seit ich mit 66 Jahren als Rookie (Anfänger) hier gestartet bin, bin ich nun zum siebten Mal in Roth ins Ziel gekommen. Unglaublich, was mein Geist und mein Körper alles leisten kann. Und … mit Triathlon kann jeder anfangen - es gibt so viele verschiedene Distanzen von Sprint bis Lang. Mit Schwimmen, Radfahren und Laufen hält man sich gesund – auch im Alter!


Konrad Puk, RSLC Holzkirchen, SV Grün-Weiß Holzkirchen

Fotos: Private Aufnahmen/ Marathonfoto


94 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comments


bottom of page