• Christine Waitz

Athletenbericht Thomas Keusch

Saisonrückblick 2018 oder der Durchbruch auf der Langdistanz


Trainingslager auf Lanzarote

Bereits einige Tage nach meiner ersten Langdistanz beim Ironman Zürich 2017 war mir klar: Das muss bessergehen! Auch wenn ich wusste, dass man auf der ersten Langdistanz nicht mit allzu vielen Erwartungen bezüglich Endzeit starten sollte, war ich doch enttäuscht über den verpatzten Marathon, bei dem ein Grossteil der Distanz auf Grund von Magenbeschwerden durch Gehen bestand. Deshalb war schnell klar, nächstes Jahr gibt es den zweiten Versuch. Immer noch auf schnelle Zeiten fokussiert, suchte ich mir ein Rennen mit einem flachen, schnellen Kurs. Die Wahl fiel schliesslich auf den Ironman Hamburg.

Es sollte eine Zeit unter 10 Stunden werden. Sehr ambitioniert, wenn man bedenkt, dass ich in Zürich über 1:30 Stunden länger unterwegs gewesen bin. Ich war allerdings überzeugt, dass mit einer entsprechenden Vorbereitung an einem guten Tag vieles möglich ist.

Dieses Unterfangen bewegte mich dazu, mir einen Coach zu suchen, um gezielter und professioneller trainieren zu können. Ebenfalls buchte ich mein erstes Trainingslager auf Lanzarote.


Meine erste Trainerin setzte im Winter voll auf die Karte Kraft. Schwimmtrainings mit Paddles, viele Radeinheiten auf der Rolle mit hoher Intensität und nüchterne Läufe am frühen Morgen standen auf dem Plan. Aus meiner Sicht, fehlte da auf Dauer etwas die Abwechslung und ich hatte das Gefühl, dass die Trainingspläne nicht voll auf mich abgestimmt waren.


Deshalb kam mir das Trainingslager im März sehr gelegen. Endlich wieder Kilometer in freier Natur und das noch bei besten Bedingungen. In diesem Camp lernte ich auch Christine Waitz kennen. Nicht nur durch ihre Erfahrung sondern auch durch ihre ruhige Art und ihrer sachlichen Betrachtungsweise, hat sie mich sofort überzeugt. Daher fiel mir die Entscheidung nicht schwer, den Coach zu wechseln. Ab April starteten wir dann unser gemeinsames Training.

Zuerst stand allerdings noch ein erster Formtest beim Laufen an. Mit einer neuen PB über die Halbmarathon Distanz war die Saison eröffnet. Wie erhofft, wurden auch die Trainingspläne deutlich abwechslungsreicher.

Nun standen auch schon die ersten Triathlon Rennen an. Diese liefen gut, ich konnte mich in jeder Disziplin gegenüber dem Vorjahr verbessern.

Mein grösstes Problem war allerdings noch nicht gelöst. Die Magenprobleme, welche jeweils kurz nach dem Start des Laufens auftraten, hinderten mich bei allen Wettkämpfen an einer für mich zufriedenstellende Performance. Obwohl die Zeiten den gesetzten Zielen entsprachen, war mir bewusst, dass unter diesen Umständen ein Sub-10 Ironman nicht möglich ist.


Der wertvolle Tipp kam dann von Christine, die meine Wettkampfernährung hinterfragte und mir Alternativen vorschlug. Darauf stellte ich meine Ernährung komplett um und verzichtete auf jegliche Gels und Isotonische Getränke. Dank der Umstellung war ich endlich in der Lage mein Potential auch beim Laufen abzurufen.

Mein erstes Highlight der Saison war dann die Mitteldistanz beim Ironman 70.3 in Rapperswil. Dieser gelang mir wie geplant und ich verspürte in jeder Disziplin eine Leistungssteigerung. Mit Rang 15 in der AK und einer Zeit von 4:34:57 war ich super happy. Alles nach Plan also?

Nicht ganz die mental härtesten Wochen der Vorbereitung kamen unverhofft erst noch. 21 Tage vor Hamburg stand nochmals eine längere Ausfahrt über 5 Stunden auf dem Plan. Dies war für mich die Gelegenheit, einen Punkt auf meiner To-Do-Liste abzuhaken. Die Umrundung des Bodensees. Etwa eine Stunde vor dem Trainingsende, setzte ich zu einem Überholvorgang eines anderen Rennradfahrers an. Dieser Endete mit einem Sturz, als er einen Schlenker in meine Richtung machte. Resultat war ein stark geschwollenes Knie und einige Schürfungen. Für mich ging in diesem Moment eine Welt unter. Ich war mir sicher, dass so an einen Start in Hamburg nicht zu denken war.

Dies führte zu einer Woche Zwangspause und dass 3 Wochen vor dem grossen Saisonhighlight. In dieser Zeit war die Unterstützung und das gute Zureden meiner Freundin Gold wert. Auch das beharren von Christine, nicht zu früh wieder mit dem Training zu beginnen, stellte sich als richtig heraus. Ich wäre wohl, bereits nach der Hälfte der Woche wieder im Schwimmbad gewesen.

Die Schwellung ging zwar einigermassen gut zurück aber es fühlte sich bis zum Rennen hin nicht wirklich vollumfänglich normal an.

Trotzdem flogen wir am Donnerstag vor dem Rennen nach Hamburg. Die Temperaturen bei der Ankunft liessen schon erahnen, was auf die Athleten zukommen könnte. Doch mit einer Absage des Schwimmens hatten wohl die wenigsten gerechnet. Doch genau dies wurde zur Realität als der Veranstalter zwei Tage vor dem Start bekannt gab, dass es ein Duathlon werden soll, aufgrund von giftigen Blaualgen in der Alster.

Ein weiterer Schock für mich. Mein Ziel welches mich fast ein Jahr lang begleitet hatte, löste sich von einer auf die andere Sekunde in Luft auf.

Thomas Keusch beim Ironman Hamburg

Die einzig gute Einstellung nach ein paar Stunden Kopf lüften war dann: Jetzt erst Recht! Nun war er da, der Morgen des Rennens. Die Temperaturen sollten etwas tiefer liegen als in den letzten Tagen, was mich zuversichtlich stimmte. Für einmal wartete ich nicht Barfuss im Neoprenanzug auf den Start, sondern in Laufschuhen. Dies machte die Vorstartstimmung noch etwas spezieller. Ich war froh, als endlich mein Startschuss viel und einfach nur noch das hier und jetzt zählte. Die ersten 6km lief ich etwas verhalten. Auf dem Rad konnte ich die Vorgaben sehr gut umsetzen und auch die Aero-Position über die 180 flachen Kilometer halten. Nach 5:15 Stunden wurden erneut die Laufschuhe geschnürt. Was dann geschah war einfach nur genial. Den Marathon lief ich wie erträumt in 3:20 Stunden. Die unglaubliche Stimmung an der Strecke, trug mich nach insgesamt 9:08 Stunden ins Ziel.

Blieb nur noch die Frage, ob ich auch mit dem Schwimmen die Sub 10 erreicht hätte. Dies werde ich wohl nie beantworten können. Auf jeden Fall hat mich diese Erfahrung gelernt, sich im Triathlon nicht nur auf die Zeit zu fokussieren. Diese hängt sowieso von viel zu vielen externen Faktoren ab.

Rückblickend ist die Saison 2018 ein riesen Erfolg für mich. Sie steht unter dem Motto, den Durchbruch auf der Langdistanz geschafft zu haben, was mir enorm Selbstvertrauen für weitere Projekte gibt.


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Fotos: Michael Rauschendorfer, Ingo Kutsche, Thomas Futterknecht, Rico Schneller