• Christine Waitz

triathlon.de CUP München: Stegreifaufgabe!

Während die Saison in vollem Gange ist, kann man sich dem Gefühl natürlich kaum entziehen: Der Gänsehaut, kurz bevor der Startschuss fällt, dem Fiebern auf der Strecke und der Euphorie im Ziel. Der Frage "Würdest du nicht gerne auch am Start stehen?"

kann ich momentan trotzdem nur mit einem bestimmten "Jein" entgegnen.


Ja, klar würde ich gerne am Start stehen! Ich vermisse die Rennaktion.


Nein. Eigentlich bin ich auch ganz froh nicht am Start zu stehen. Wenn ich ehrlich bin habe ich nämlich ganz schön die Hosen voll. Vor was? Keine Ahnung!


So kam es, dass ich schon am Chiemsee Triathlon "eigentlich" starten wollte. Das "Eigentlich" währte so lange, bis ich entdeckte, dass ich die falschen Radschuhe eingepackt hatte. Da war das "Eigentlich nicht" wohl doch größer... Nur eine Woche später bot sich beim triathlon.de CUP München eigentlich schon die nächste Möglichkeit. Juhe! Eigentlich super!​


Ich packte also meine sieben Wettkampf-Sachen, die richtigen Radschuhe und mein Arbeitsequipment. Denn eigentlich war ich zum arbeiten gekommen. Und genau dem widmete ich mich bis Mittags. Dann beschloss ich (ganz spontan!;) nachzufragen, ob man mich um 15:30 für zweieinhalb Stunden entbehren könne.

Man konnte. Rums. Das merkwürdige Gefühl zwischen "Jeah!" und "Oh Sh**" stellte sich wieder ein und ich beschloss mir selbst einfach noch bis fünfzehn Minuten vor dem Start vorzuenthalten, dass ich an den Start gehen würde.

Klappte ganz gut... So stand ich also mit 35 hitzeresistenten Startern im angenehm erfrischenden Wasser der Ruderregattastrecke. Dass es mit knapp 38 °C einer der heißesten Tage des Sommers war hatte ich zwar bisher noch nicht erwähnt, wer mich kennt, der weiß, das ist genau mein Wetter.

Es ging los und ich hielt mich am Rand, schwamm entspannt an. "Na geht doch", redete ich mir ein, wie einem kleinen Kind, und legte etwas Tempo zu, schwamm eine Lücke zu, schwamm noch eine Lücke zu und als ich aus dem Wasser kam, hatte ich das Gefühl, dass es bis hierher ganz gut gelaufen war.


Zeit für eine Welt- also, Waitzpremiere. Ich nahm mein Rad, lief und SPRANG auf. Das, was ich in fünfzehn Jahren nichteinmal in der Triathlon Bundesliga geschafft hatte, hatte reibungslos funktioniert. Euphorie! (Daran, die Füße gleichzeitig auf die fixierten Schuhe zu bekommen, arbeite ich einfach die nächsten 15 Jahre...)

Auch auf der Radstrecke fühlte ich mich bestens. "Schau mal, tut gar nicht weh!", überzeugte ich meinen Körper. Dankbarerweise stimmte er mir zu.


Nicht mehr ganz einverstanden war er nach dem zweiten Wechsel. "Aber was will man erwarten, wenn man keinen Wechsel trainiert hat?", erwiderte der Trotzkopf in mir. Da war er scheinbar der gleichen Meinung und die zweite und dritte Laufrunde waren zwar immer noch alles andere als schnell, doch zumindest angenehm.

Und mit welcher Note wurde die Stegreifaufgabe am Ende bewertet? Mit einer glatten Eins!

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Fotos: Michael Rauschendorfer, Ingo Kutsche, Thomas Futterknecht, Rico Schneller