• Christine Waitz

Athletenbericht: Geht nicht, gibt’s nicht. Und Christine sagt "Nein".

Aktualisiert: Sept 29

Wettkampfbericht zur Challenge Davos 2020 Vol. 2

von Alex Janz


Der erste Schockmoment beim frühzeitigen Ende der Challenge Davos war, ich muss es zugeben, nur von kurzer Dauer. Schließlich bibberten alle Athletinnen und Athleten aufgrund der erfrischenden Wetterlage schon vor dem Start, die Wassertemperatur von 18 °C ließ kein wirkliches Badevergnügen erwarten und meine kontinuierlich beschlagende Brille über dem Schnutenpulli nervte darüber hinaus gewaltig. Dann der verständliche Rennabbruch aufgrund eines Unwetters. Fielen meine für 2020 gemeldeten Wettkämpfe in Roth und Louisville coronabedingt aus, scheitert es in Davos nun ausgerechnet am schlechten Wetter.


Zurück im warmen und trockenen Hotelzimmer weicht die Enttäuschung bei meiner Sportfreundin Nora und mir dann aber schnell zugunsten einer grimmig-motivierten Zuversicht: geht nicht, gibt’s nicht! Wir machen dieses Jahr noch ein Rennen. Und wenn wir dieses alleine durchziehen.


Motivationshilfe aus Davos (und aus Mannheim)

Im Hotel gesagt, auf der Rückfahrt geplant. Die Veranstalter der Challenge Davos beweisen Sinn für Humor und senden in der Folgewoche zwei Medaillen als Motivationshilfe nach Bonn. Unsere „Challenge Kottenforst“ soll die Challenge Davos ersetzen. Allerdings zeigt sich schnell, dass das zeitgleiche Absolvieren einer Sprint- und einer Mitteldistanz zu zweit einer logistischen Challenge gleichkommt. Die Lösung liegt in der zeitlichen Trennung unserer Wettkämpfe.


Christine Bunte und Alexander Janz

Ich lege mit „meinem“ Wettkampf vor. Nur: alleine machts’s keinen Spaß! Doch wer ist willens und konditionell in der Lage, kurzfristig eine Mitteldistanz aus den Armen und Beinen zu schütteln? Mir fällt spontan meine Freundin Christine Bunte aus Mannheim ein. "Ich kenne Christine, die mit ihren Vereinskollegen von der MTG Mannheim Triathlonabteilung den Monnem Cross Lauf organisiert, bereits seit einigen Jahren von diversen dienstlichen Terminen. Trotz unterschiedlicher Interessen, welche sie als Vertreterin eines Chemiekonzerns und ich als Vertreter eines Umweltministeriums zu vertreten haben, stimmt, um im Bild zu bleiben, von Anfang an die persönliche und sportliche Chemie zwischen uns.

Also frage ich sie, und sie sagt ja. Die Kombination aus entspanntem Feierabendtriathlet und ambitionierter Langstreckenathletin sollte kein Problem sein, denke ich in all meiner jugendlichen Naivität.


Wir entscheiden, uns bei der Auswahl der Strecken an denen des Maxdorfer Triathlons zu orientieren. Am Morgen des 21. September richten wir die Wechselzonen T1 und T2 in Form der Kofferräume unserer Autos ein und steigen dann bei herrlichem Triathlonwetter und bester Laune in den Lambsheimer Nachtweideweiher. 1900 Meter volle Kraft voraus - und los. Unsere sportliche Freude wird zwischenzeitlich zum Ärger zweier Angler, denen wir unabsichtlich durch ihr Angelrevier schwimmen. Wir sehen uns hingegen als Tierretter: der lautstarke, wohl nicht immer höfliche Wortwechsel hat gewiss viele Fische in die Flucht geschlagen und somit vor ihrem letzten Biss in den Angelhaken bewahrt. Unsere gute Tat für heute.


Christine sagt "Nein"

Beim Schwimmausstieg laufen wir an einer Beach-Bar vorbei. Doch schon das Andeuten meiner Idee, einen schnellen Kaffee mit Seeblick zu genießen, wird von meiner Mitstreiterin negativ beschieden. Nein, keinen Kaffee, vielmehr ab auf‘s Rad, zack-zack. Nun gut.

Die landschaftlich schöne Radstrecke führt uns bei inzwischen hochsommerlichen Temperaturen durch die Weinberge rund um Bad Dürkheim und durch den Pfälzer Wald.


Ausblick auf der Radrunde

Während wir das Schwimmen noch entspannt im Team absolvierten, macht Christine dann auf den ersten der insgesamt 1030 Höhenmetern klar, wo der Hammer hängt. Mit elegantem Fahrstil und hoher Trittfrequenz sehe ich sie in den Weiten des Pfälzer Waldes entschwinden. Mit den mahnenden Worten meines Trainers Takao Mühmel im Ohr, am Berg nicht zu überpacen, diszipliniere ich mich und setze nicht nach. Eine weise Entscheidung, wie sich in der letzten Laufrunde noch zeigen wird.


Eine Langstreckenathletin lässt sich (fast) nicht aufhalten

Beim Passieren des Ausflugslokals Lindemannsruh erweitere ich mein vermeintlich verführerisches Angebot des Morgens raffiniert: wie wäre es denn mit einem Kaffee und einem Stück Kuchen? Nein, lautet die Antwort knapp. Wir machen Sport. Klare Sache. Dann auf in Richtung T2, welche wir nach rund 85 km erreichen.


Die Halbmarathonstrecke besteht aus drei Runden in einem Waldgebiet bei Maxdorf. Meine Sportfreundin gibt nunmehr mit gefühlt gnadenloser Präzision (und Schrittlänge…) die Lauf-Pace vor. Mir raubt derweil der sandige, durchwurzelte Waldboden die letzten Körner. Ich fühle mich mit jedem weiteren Kilometer zunehmend als Christines Bremsschirm und biete ihr daher an, dass sie gerne vorlaufen kann. Die Antwort lautet: Nein. Wir haben zusammen angefangen, und wir kommen zusammen ins Ziel. Trotzdem ist die Geduld mit meinem „Walk-Run“ der letzten Kilometer wohl die größere Challenge für sie als der Lauf selbst.



Christine Bunte und Alexander Janz finishen die Challenge at Home.

Im Ziel erwartet uns mit Christines Ehemann der einzige, wenngleich gut gelaunte Zuschauer an der Strecke. Nachdem die beiden mich mit Cola und Salzbrezeln halbwegs wiederhergestellt haben, stellen wir im Kollegium der selbsternannten Renndirektoren fest, dass die Halbdistanz von allen teilnehmenden Athleten de lege artis absolviert wurde und diese sich daher die erste Medaille selbst umhängen dürfen.

Die zweite Medaille wartet hingegen noch darauf, von Nora über die Sprintdistanz verdient zu werden. Und sollte bei ihr die Frage aufkeimen, ob es nicht vielleicht besser sei, diese Aktion auf nächstes Jahr zu verschieben, wird meine Antwort einfach sein: Nein. :)

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Fotos: Michael Rauschendorfer, Ingo Kutsche, Thomas Futterknecht, Rico Schneller